Das Problem mit der Regionalität

Heute kommt ein Blog-Eintrag, der durchaus kritisch betrachtet werden darf. Wir freuen uns auf konstruktive Diskussionen! Dieser Beitrag handelt von einem Thema, das wir uns einmal von der Seele schreiben müssen.

"beim seebacher ist's viel zu teuer"

Das ist ein Satz, der uns schon sehr lange begleitet. Jedoch bekommen wir kaum eine Chance, diesen Umstand vernünftig zu erklären. Oft hören wir ihn von Einheimischen, die gerne Drucksorten in der regionalen Druckerei produzieren lassen möchten. Nach dem Angebot kommt dann aber oft die Absage, da man viel zu teuer sei – im Vergleich zum Mitbewerb.

Wie so oft werden hier leider meist Äpfel mit Birnen verglichen, und dies möchten wir nun genauer erklären.

Wir – als Druckerei Seebacher, sind bereits seit 1971 in Kühwegboden angesiedelt. Das freut uns sehr, denn die Druckbranche hat sich in diesen letzten 50 Jahren um 360 Grad gedreht.  Wir wagen zu behaupten, dass dieser Wandel in keiner anderen Branche so einschneidend war. Viele Druckereien mussten und müssen aufgrund der schweren Bedingungen am Markt aufgeben. Unser Glück, noch zu bestehen, liegt darin, dass wir uns zum richtigen Zeitpunkt auf Nischenprodukte spezialisiert haben. Das ist unser großer Vorteil. Wir können viele Arbeitsschritte für hochwertige Printprodukte mit hohen Auflagen besonders effizient produzieren.

Druckerei Seebacher
Was ist nun das Problem bei Anfragen zu klassischen Printprodukten?

Wenn wir eine Anfrage zu standardisierten Druckprodukten, wie Flyern oder Visitenkarten bekommen, erstellen wir ein individuell kalkuliertes Angebot, welches eben den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht wird.

Vergleicht man dies nun mit einer standardisierten Preistabelle der großen Online-Druckerei, fliegen einem fast die Augen aus dem Kopf, weil der Preisunterschied dann oft sehr deutlich ausfällt.

Der Hauptunterschied, warum ein augenscheinlich „gleiches Produkt“ so eine Preisdifferenz haben kann liegt im Geschäftsmodell und ist leicht erklärt.

Die komplette Produktion und alle Prozesse einer Online-Druckerei sind völlig anders ausgerichtet als bei uns. Ihr Ziel ist es, zu automatisieren, Arbeitsplätze einzusparen, damit Standardprodukte möglichst billig angeboten werden können. So haben sie ihre ganzen Prozesse dahingehend optimiert, so viele Druckjobs wie möglich gleichzeitig zu produzieren und dann die entstandenen Kosten auf so viele Kunden wie möglich aufzuteilen.

In unserer Druckerei wird im Unterschied zu Online-Druckereien jeder Auftrag individuell gefertigt. Die kompletten Fertigungskosten fallen auf den einen Kunden zurück. Bei Online-Druckereien werden diese Kosten eben aufgeteilt. Auch der Online-Vertrieb der großen Druckereien ist extrem progressiv. Aus Kostengründen können wir hier nie und nimmer mithalten. Zudem arbeiten Online-Druckereien in 3-Schichtbetrieben mit riesigen Maschinen, die voll ausgelastet werden müssen. Leider auch oft zu Lasten der Mitarbeiter*innen, die Fließbandarbeiten verrichten müssen. Die kostengünstigeren Einkaufspreise bei Papier, keine Vorfinanzierung uvm. sind weiter Puzzleteile, die zu den enormen Preisunterschieden führen.

Man sollte sich im Klaren sein, dass man diesen Preisunterschied – gerade wenn es um Qualität und Reklamationen geht – mit einem höherem Preis bezahlen wird. Oft gibt es viele Beschwerden darüber, dass man keinen Ansprechpartner hat und das Reklamationsmanagement der Online-Drucker sehr schlecht organisiert ist. Ebenso, wenn man mit Grafik- und Druckprodukten noch nicht viel Erfahrung hat, sollte man bei Bestellungen sehr vorsichtig sein, denn eine Kontrolle und zusätzliche Druckfreigaben sind im optimierten Workflow der Online-Druckereien nicht vorgesehen.

zusammenfassend
Seebacher - die Expert*innen beliebige online-druckerei
Kalkulation individuell
(Versand, Beratung, Farbkontrolle, individuelles Material, etc. inkludiert)
Kalkulation vollautomatisiert (standardisierte Vorgaben)
Produktion: jeder Auftrag wird einzeln gedruckt & verarbeitet Produktion: viele Aufträge werden zugleich gedruckt & verarbeitet
Regionale Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung (1-Schicht Betrieb) Familienfreundlicher Betrieb Billigarbeitsplätze, Schichtbetrieb, maximale Maschinenauslastung
Produktion in Hermagor Produktion an Billigstandorten
Qualitativ hochwertige Materialien Standard Materialien
Steuer- und Abgaben in Österreich kommt darauf an, wo die Firma ihren Hauptsitz hat
zertifizierter Betrieb (Qualitätsmanagement ISO 9001 & Umweltmanagement ISO 14001) keine Angabe, tlw. zertfiziert
fördert Image in der Gemeinde kein Nutzen für Gemeinde
kaum Transportwege lange Trasportwege, Versand & aufwendige Logistik
Reklamationsmanagment & Ansprechpartner (auch im Krisenfall) Keine persönlichen Ansprechpartner, wie Kontakt – Reklamationsbearbeitung dauert sehr lange
Vorfinanzierung erst nach Zahlungseingang wird produziert
Einkaufspreise relativ hoch günstigere Einkaufspreise bei Materialien
keine professionelle Vertriebsstrategie (Werbebudget sehr klein) Vertriebskanal Online: Durch Online-Marketing (vor allem SEA) hohe Ranking Chancen
Verantwortung liegt beim Kunden & Druckerei Verantwortung liegt beim Kunden

Das Dilemma der billigen Produktion lässt sich heute leider auf viele Branchen umlegen. Bestes Beispiel hierfür ist die Massentierhaltung in der Lebensmittelbranche. Man weiß davon, verschließt jedoch wissentlich die Augen. Masse versus Individualität – es ist klar geworden, wer hier verliert, doch wir schauen leider immer noch viel zu wenig hin.

people
Regionalität

In den letzten Jahren hat sich dieses Wort sehr stark etabliert und kommt oft mit dem Wort „Nachhaltigkeit“ einher. Regionalität rückt immer mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft und wird auch wieder wahrgenommen, was toll ist. Leider wird das Wort Regionalität aber auch oft missbräuchlich als „Werbephrase“ verwendet. Es ist ein großer Unterschied, Regionalität zu leben oder es bloß zu benutzen, um in der öffentlichen Wahrnehmung besser dazustehen.

Das Konzept der Regionalität – den eigenen Wirtschaftskreislauf in Gang zu setzen und die Wertschöpfung regionaler Produkte zu schätzen und zu erhalten – bedarf noch mehr Sensibilisierung und Aufklärung. Denn die Konsequenzen – vor allem für einen Standort wie Hermagor – können einschneidend sein.

Der größte Konkurrent der Regionalität ist der Preis. Mit der Informationsflut des Internets und der Fülle an Angeboten ist es leicht den vermeintlich besten und günstigsten Preis zu finden. Die Frage ist hier jedoch zu welchen und auf welche Kosten.

Diese Frage sollten sich vor allem politische EntscheidungsträgerInnen stellen, die in Ämtern sitzen und verantwortlich dafür sind, den Wirtschaftsstandort zu beleben und selbstverständlich auch zu erhalten.

Die „Geiz ist geil“-Mentalität, die zu Käufen von Produkten oder Dienstleistungen außerhalb der eigenen Region führen, ist traurig und gleichzeitig sehr dramatisch. Denn heimische Unternehmen leisten weit mehr, als nur ein herkömmlicher Anbieter/Verkäufer eines beliebigen Produktes zu sein. Ein Unternehmen schafft Arbeitsplätze, zahlt Kommunalsteuer & bringt einer Region einen erheblichen Mehrwert. Gelder, die in der Region bleiben, können wieder in der Region ausgegeben werden.

Gerade in einer geografisch so abgelegenen Region, wie dem Gailtal, sollte man froh sein, Unternehmen zu haben, die Arbeitsplätze mit vernünftigen Arbeitsbedingungen schaffen. Es braucht aber eine breite gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung, um diese halten zu können und dadurch die immense Abwanderung zu stoppen.

Leider spüren wir als Druckerei in einem kleinen Ort, in einem Tal wo sich jeder kennt, dass sehr viele Entscheidungen nicht objektiv, sondern auf persönlicher Ebene und Sympathie getroffen werden. Natürlich wissen wir, dass wirtschaftlich und kosteneffizient gedacht werden muss. Auch ist es uns bewusst, dass nicht alles in der Region zu bekommen und zu produzieren ist. Jedoch sollte doch mit aller Kraft dafür gesorgt werden, alles Verfügbare in der Region einzukaufen. Das sollte in einer so kleinen Gemeinde wie der unseren selbstverständlich sein – und dies ohne Einfordern von Gegenleistungen, sondern einfach nur der Gemeinschaft wegen.

Es wird immer wieder neue Herausforderungen geben. Und das ist gut so. Doch aus Herausforderungen soll man lernen und wachsen, genauso wie aus Fehlern.

Ein Wunschgedanke für uns und alle sollte doch sein, in einer Gemeinde zu leben, die zusammenhält. Speziell in einer der wohl schönsten in ganz Österreich – und das meinen wir auch so!

was das für uns bedeutet: Regionalität nicht nur als ein Wort, sondern als eine Lebens- und Werte-Einstellung zu sehen. Eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und in der falscher Neid keinen Platz hat. Eine gemeinsame Erhaltung der hohen Lebensqualität sollte das Ziel sein - wir arbeiten daran!

Wir freuen uns, dass es schon so Viele gibt, die mit uns gemeinsam unsere Region unterstützen und auf eine regionale Druckerei, unsere langjährige Erfahrung und unsere Qualität setzen. Danke für diese Wertschätzung – auch wenn es einmal ein paar Euro mehr kostet – ihr tragt dazu bei, dass unsere Firma bestehen bleibt und dass wir Mitarbeiter*innen einen fairen und attraktiven Arbeitsplatz zur Verfügung stellen können.

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Literatur zum nachlesen

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